Mittelstand

Wordl_Mittelstand_1

Im Zusammenhang mit Familienunternehmen werden häufig auch der Begriff „Mittelstand“ oder der Ausdruck „Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)“ verwendet. Das diese jedoch mit Nichten dasselbe (Forschungs-) Objekt beschreiben, zeigen nachstehende Definitionen.

Definitionen:

  • KMU- Definition der Europäischen Kommission:
    „Gemäß der Kommissionsempfehlung vom 6. Mai 2003 (Empfehlung 2003/361/EG), die seit dem 1. Januar 2005 die bis dahin geltende Empfehlung (96/280/EG) ersetzt, sind Unternehmen mit bis zu- 9 Beschäftigten und bis zu 2 Millionen € Jahresumsatz oder einer entsprechenden Bilanzsumme Kleinstunternehmen.
    – 49 Arbeitnehmern und einem Jahresumsatz oder einer Bilanzsumme von bis zu 10 Millionen € kleine Unternehmen.
    – 249 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen € oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 43 Millionen € mittlere Unternehmen.Darüber hinaus wird eine weitgehende Unabhängigkeit der Unternehmen verlangt: So zählen Unternehmen, die zu mehr als 25 % zu einer Unternehmensgruppe gehören, nicht zu den KMU.“
    Die offiziellen Definition der EU finden Sie auch hier.

 

  • KMU-Definition des IfM Bonn:
    „Der Begriff „wirtschaftlicher Mittelstand“ ist ausschließlich in Deutschland gebräuchlich. In allen übrigen Ländern spricht man von kleinen und mittleren Unternehmen – und meint damit einen rein statistisch definierten Teil der Gesamtwirtschaft. Auf dieser Basis definiert das IfM Bonn seit 01.01.2002 Unternehmen mit bis zu- 9 Beschäftigten und weniger als 1 Million € Jahresumsatz als kleine Unternehmen,
    – 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von unter 50 Millionen € als mittlere Unternehmen.“ Die offiziellen Definition des IfM Bonn finden Sie auch hier.

 

Probleme der Definitionen:

Die Begriffe „Mittelstand“ und „KMU“ sind aus Sich des WIFU jedoch wenig zielführen um die Spezifika dieser Unternehmensgattung abzugrenzen. Sie zielen lediglich auf die Größenordnung des Unternehmens, ignorieren jedoch das zentrale Unterscheidungsmerkmal: den Familien-Faktor des Unternehmens, der sich in der besonderen Eigentümerstruktur von Familienunternehmen wiederspiegelt. Die Forschungsergebnisse der letzten 15 Jahre lassen des Schluss zu, dass wesentliche Führungsentscheidungen von Familienunternehmen durch die Verknüpfung von Familien- und Unternehmenslogiken zu erklären sind und weniger durch größenbezogene Vor- bzw. -Nachteile. Investitionsentscheidungen, der Umgang mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern, die auf eine Enkelfähigkeit des Unternehmens hin ausgerichtet sind, vereinen Familienunternehmen völlig unabhängig von ihrer Größe und sind eher von Publikumsgesellschaften, also Unternehmensformen, die anonyme Eigentümerstrukturen verkörpern zu unterscheiden.

Auch der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.) hält die oben genannten KMU-Definitionen zur Beschreibung des (deutschen) Mittelstandes für unzureichend. Der Verband fordert daher eine Anpassung der quantitativen Kriterien, die Aufnahme von qualitativen Kriterien sowie die Ausweitung der mittelstandsbezogenen Förderung auf „Mid Caps“[1]. Mögliche qualitative Kriterien zur Typologisierung von mittelständischen Unternehmen könnten laut BDI sein:  wirtschaftliche und rechtliche Selbständigkeit des Unternehmens, Verflechtung von Eigentum, Kontrolle und Leitung sowie Personenbezogenheit der Unternehmensführung.

 

WIFU Knowhow zum Thema:



[1] „Unter „Mid Caps“ sind Unternehmen in den Größenklassen 250 bis 499 und 500 bis 999 Beschäftigte zu verstehen. Sie weisen ein erhebliches Innovationspotenzial auf, befinden sich jedoch in einer so genannten „Mittelstandsdelle“, mit weniger öffentlichen FuE-Mitteln als KMU und Großunternehmen und gleichsam mit insgesamt unterproportionalen FuE-Gesamtausgaben.“ (BDI, 2012)

Neuer WIFU-Beitrag in der Private Wealth

 

Hier lesen...