Neue WIFU-Studie: Weibliche Nachfolge: Ausnahme oder Regelfall?

Generationswechsel in deutschen Familienunternehmen

 

Traditionen sind die Grundpfeiler von Familienunternehmen. Sie sind Chance und Hindernis zugleich, denn der Umgang mit ihnen entscheidet über Erfolg oder Niederlage und somit über den Fortbestand des Unternehmens als Familienunternehmen. Die Traditionen in den Unternehmerfamilien stammen oft noch aus vergangenen Zeiten, wodurch in der Vergangenheit die Möglichkeiten für Töchter, die Nachfolge anzutreten, eingeschränkt waren. Ziel und Anliegen der aktuellen WIFU-Studie „Weibliche Nachfolge: Ausnahme oder Regelfall?“ ist es festzustellen, inwieweit daraus resultierende Restriktionen noch heute wirksam sind und welche Auswirkungen diese auf die Nachfolgerinnen haben.

Als ein zentrales Ergebnis der Studie belegen die beiden Autorinnen Dr. Dominique Otten-Pappas und Dr. Daniela Jäkel-Wurzer, dass die Variable Geschlecht als Einflussfaktor im Rahmen der Nachfolge an Bedeutung verliert. Muster wie das der Primogenitur (bezeichnet die Ordnung der Erbfolge, nach welcher nur der erstgeborene Sohn die Nachfolge antritt) verlieren ihre verlässliche Orientierungsfunktion. Hier bekommen die Töchter eine bedeutende Rolle. Indem sie die Führung des Familienunternehmens als Karrierechance nutzen, bieten sie gleichsam eine Perspektive für die Frage nach der Weiterführung der Unternehmen – auch angesichts fehlender Nachfolger. Familienzugehörig, gut qualifiziert und vor allem begeistert und motiviert, füllen sie immer zahlreicher die Leerstellen in den Spitzenpositionen im Generationenwechsel des deutschen Mittelstandes. Mit ihrer Bereitschaft zur Verantwortung stehen diese Töchter als sichtbare Rollenvorbilder und treiben damit den Wandel wahrscheinlich schneller voran als jede Quote es könnte.

Mit der Studie zeigen die beiden Forscherinnen auch, dass mit der weiblichen Nachfolge neue Herausforderungen entstanden sind. Insbesondere die Doppelrolle, die angesichts traditioneller Rollenbilder in der Familie noch sehr belastend für junge Frauen ist, fordert neue Modelle: So gilt es, die Gleichstellung innerhalb der Paarbeziehung stärker voranzutreiben. Rollenbilder müssen reflektiert und das neue Vater-Bild gestärkt werden. Besonders in Punkto Flexibilität treffen die Bedürfnisse von Frauen, denen immer noch die Hauptlast der Betreuungsaufgaben obliegt, und die Bedürfnisse der Generation Y zusammen. Wenn das Privatleben und die Betreuung der Kinder kein Frauenthema mehr ist, sondern alle Arbeitnehmer einer Generation betrifft, müssen neue Modelle der Arbeit erfunden werden, die diese Vereinbarkeit nicht nur tolerieren, sondern sie für alle uneingeschränkt möglich machen.

Als Fazit wird deutlich, dass eine Vielzahl von Veränderungen im Feld der Nachfolge in Deutschland mit einer Vielzahl neuer Modelle beantwortet werden will. Diese Studie stellt eine Momentaufnahme in einem fließenden Entwicklungs-Prozess dar, den es weiter zu beobachten gilt.

Die Studie finden Sie in unserem Downloadbereich.

Die zugehörige Pressemitteilung finden Sie hier.