Psychologische Kontrakte
In ihrem Praxisartikel „Psychologische Kontrakte. Implizite Erwartungen und ihre Rolle in Konflikten“ (2026) zeigen Prof. Dr. Arist von Schlippe und Dr. Franziska von Kummer, wie sogenannte psychologische Kontrakte als unausgesprochene Erwartungen Beziehungen prägen und Konflikte antreiben können. Im Zentrum steht die These, dass implizite „Versprechen“ häufig stärker handlungsleitend wirken als formale Vereinbarungen – gerade dort, wo Rollen, Anerkennung und Zugehörigkeit in Unternehmerfamilien eng miteinander verwoben sind.
Ausgehend von einem Fallbeispiel zweier Brüder in einer Familienholding wird nachvollziehbar, wie sich Erwartungen über Jahre aufbauen und gegenseitig verhärten können. Die AutorInnen beschreiben eine typische Eskalationskette: Ein implizites Versprechen erzeugt Erwartungen, diese werden als selbstverständlich vorausgesetzt, verdichten sich zu Ansprüchen und kippen bei Nichterfüllung in Enttäuschung, Empörung und schließlich offenen Konflikt. Besonders hervorgehoben wird dabei das verletzte Gerechtigkeitsgefühl als zentraler Treiber der Empörung und als Kern vieler konflikthafter Dynamiken in Unternehmerfamilien.
Für die Praxis differenziert der Beitrag verschiedene Formen psychologischer Kontrakte (u. a. transaktional, relational und moralisch) und ordnet ihnen unterschiedliche Konfliktverläufe zu. Die zentrale Implikation: Konflikte lösen sich nicht „automatisch“ durch Einsicht, aber Bewusstheit über implizite Erwartungen kann helfen, schneller zu klären, Perspektiven nachvollziehbar zu machen und Eskalationsschritte zu vermeiden. Damit liefert der Artikel eine konfliktsensible Brücke zwischen arbeitspsychologischer Konzeptbildung und den Besonderheiten von Unternehmerfamilien.
| Titel und Untertitel | Psychologische Kontrakte. Implizite Erwartungen und ihre Rolle in Konflikten |
| Autor | Arist von Schlippe, Franziska von Kummer |
| Jahr | 2026 |
| Keywords | Konfliktdynamiken, Konflikte, Konfliktmanagement |
| Art | Beiträge für die Praxis |







