Wittener Schriften zu Familienunternehmen – Band 19

Emotionen in Familienunternehmen

Eine kommunikationstheoretische Fallstudie über das Scheitern eines Joint Ventures

Unter dem Titel „Emotionen in Familienunternehmen. Eine kommunikationstheoretische Fallstudie über das Scheitern eines Joint Ventures“ (2016) untersucht Audris Alexander Muraitis in Band 19 der Reihe Schriften zu Familienunternehmen, herausgegeben vom Wittener Institut für Familienunternehmen im V&R unipress, die Rolle von Emotionen im Kontext von Unternehmenstransaktionen in Familienunternehmen anhand einer detaillierten Fallstudie. Ausgangspunkt ist ein gescheitertes Joint Venture zwischen einem Familienunternehmen und einem Großkonzern, dessen Verlauf mithilfe qualitativer Interviews rekonstruiert wird. Muraitis zeigt, dass emotionale Dynamiken nicht als individuelle Eigenschaften einzelner Akteure zu verstehen sind, sondern als systemisch wirksame Bestandteile organisationaler Erwartungsstrukturen.

Theoretisch verortet sich die Arbeit im Rahmen der soziologischen Systemtheorie und eines kommunikationstheoretischen Zugangs. Emotionen werden dabei als kommunikative Phänomene analysiert, die Erwartungen stabilisieren, irritieren oder eskalieren können. Zentrale Konzepte wie doppelte Kontingenz, Vertrauen und Misstrauen sowie die „Immunreaktion“ von Organisationen dienen dazu, das Scheitern des Joint Ventures funktional zu erklären. Der Autor grenzt sich explizit von individualpsychologischen Verkürzungen ab und entwickelt stattdessen ein Verständnis von Emotionen als Teil der Selbstbeschreibung und Selbststeuerung von Organisationen und Familienunternehmen.

Empirisch arbeitet Muraitis mit der dokumentarischen Methode und einer verlaufsanalytischen Rekonstruktion des Falles. Die Studie zeigt, wie Hoffnungen, Befürchtungen und enttäuschte Erwartungen im Transaktionsprozess zu Eskalationen führen können und letztlich eine Trennung funktional ermöglichen. Für Forschung und Praxis liefert das Werk einen wichtigen Beitrag zum Verständnis emotionaler Prozesse in Familienunternehmen, insbesondere bei Kooperationen, Fusionen und Beteiligungsmodellen, und sensibilisiert für die Bedeutung reflexiver Auseinandersetzung mit emotionalen Erwartungsstrukturen in unternehmerischen Entscheidungsprozessen.

Autor/-in:

Erscheinungsjahr:

2016

Publikationsart:

WIFU-Schriftenreihe

Keywords:

Ähnliche Artikel

Callista Chat

Hallo, ich bin Callista!
Haben Sie eine Frage aus dem Themenfeld "Familienunternehmen und Unternehmerfamilien"?