Stillstand

Familienunternehmen holen keine Frauen in die Führung

Im Bericht „Stillstand – Familienunternehmen holen keine Frauen in die Führung“ (2022) analysiert die AllBright Stiftung auf Basis einer empirischen Erhebung den Frauenanteil in den Geschäftsführungen der 100 größten deutschen Familienunternehmen. Die Studie vergleicht diese Ergebnisse systematisch mit börsennotierten Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX und zeigt, dass Familienunternehmen mit einem Frauenanteil von lediglich 8,3 Prozent deutlich hinter börsennotierten Unternehmen zurückbleiben. Trotz zahlreicher Neubesetzungen in den Jahren 2020 bis 2022 ist kein substanzieller Fortschritt erkennbar.

Der Bericht arbeitet zentrale strukturelle Ursachen für diesen Stillstand heraus. Familienunternehmen rekrutieren Führungskräfte überwiegend aus engen, männlich geprägten Netzwerken und reproduzieren bestehende Muster in den Geschäftsführungen. Besonders ausgeprägt ist diese Homogenität bei vollständig in Familienbesitz befindlichen Unternehmen, in denen der Frauenanteil auf Geschäftsführungsebene lediglich 4,8 Prozent beträgt. Die Analyse zeigt zudem, dass Transparenz, externe Kontrolle und Börsennotierung mit einem signifikant höheren Frauenanteil korrelieren.

Ein zentrales Ergebnis ist der Einfluss weiblicher Familienmitglieder in Kontroll- und Aufsichtsgremien: Wo Frauen aus der Unternehmerfamilie aktiv mitentscheiden, finden sich signifikant häufiger auch Frauen in der operativen Führung. Der Bericht leitet daraus die Schlussfolgerung ab, dass Eigentümerfamilien eine Schlüsselrolle für mehr Geschlechtervielfalt einnehmen. Vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel, gesellschaftlichem Wertewandel und Transformationsanforderungen warnt die Studie davor, dass Familienunternehmen ohne gezielte Öffnung ihrer Führungsstrukturen an Attraktivität, Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit verlieren.

Erscheinungsjahr:

2022

Publikationsart:

Studien

Keywords:

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