Forschungsprojekt

Kultureller und sozialer Wandel

 

Chinesische Familienunternehmen waren in den letzten Jahrzehnten ein Treiber der wirtschaftlichen Dynamik im asiatisch-pazifischen Raum. Ihre Rolle in der VR China ist bis heute wenig beachtet. Die Forschung orientiert sich nach wie vor an der ordnungspolitischen Dichotomie zwischen Staatsunternehmen und Privatunternehmen. Dabei vernachlässigt sie die besondere Bedeutung der Familie im chinesischen Unternehmertum. Das gilt gleichermaßen für die Wirtschaftswissenschaft wie für die Sinologie (Chinawissenschaft).

Das Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) hat daher eine Forschungsgruppe eingerichtet, die sich mit der besonderen Rolle der Familie in chinesischen Privatunternehmen befasst. Dieses Thema findet derzeit auch in China größte Beachtung, weil jene Unternehmen, die in den achtziger Jahren nach Beginn der Reformen gegründet worden waren, heute in die Nachfolge-Konstellation geraten, die oft zur Nachfolge-Krise wird und so einen wichtigen Motor der chinesischen Entwicklung ins Stocken zu bringen droht. In der VR China herrschen zudem besondere Bedingungen, wie die Ein-Kind-Politik und die regionale Diversität.

Ziel des Forschungsprojektes „Chinesische Familienunternehmen im kulturellen und sozialen Wandel“ ist, in enger Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern, die kulturellen und sozialen Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Familienunternehmen in China zu erhellen und sie zu den besonderen Bedingungen des chinesischen Wirtschaftssystems, der sozialistischen Marktwirtschaft, in Beziehung zu setzen. Es soll erforscht werden, wie diese Rahmenbedingungen auf die unternehmerische Praxis wirken, und welche Entwicklungsstrategien Anwendung finden, um diese Unternehmen zu nachhaltigen Wirtschaftsorganisationen zu gestalten.

Diese Fragestellungen sind auch für den deutsch-chinesischen Wirtschaftsaustausch von größter Relevanz. Immer mehr chinesische Familienunternehmen interessieren sich für die Zusammenarbeit mit dem deutschen Mittelstand und oft zielen sie auf eine Übernahme von deutschen Familienunternehmen ab, die selbst mit der Nachfolgeproblematik konfrontiert sind. Eine genaue Kenntnis der Unternehmenskulturen chinesischer Partner ist daher unerläßlich.

Aus dem Projekt ist bereits eine erste Publikation entstanden: „Die Familie fängt Chinas Abschwung auf – Das Erfolgsmodell chinesischer Familienunternehmen“. Den Artikel finden Sie hier.

An dem Projekt beteiligt sind: Tom A Rüsen, Rudolf Wimmer

 

 

 

Neuer Band in der WIFU-Schriftenreihe erschienen

 

Organisation der Unternehmerfamilie in Stämmen von Dr. Jakob Ammer.

 

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