Enttäuschungen, Erwartungsbrüche und negative Emotionen

Wie scheitern rationale Entscheidungen an weichen Faktoren?

 

Am Anfang einer Fusion steht zunächst meist ein rationales Motiv. Es geht z.B. um die Erhöhung des Shareholder Values oder um die Stärkung der Marktposition in Märkten mit hoher Wettbewerbsintensität. Die Erfolgskriterien für diese Ziele können klar benannt und gemessen werden. Doch es gibt noch eine andere Ebene, hier geht es eher um weiche Faktoren und daran kann ein solches Vorhaben scheitern. Diese zumeist unausgesprochenen und nur schwer thematisierbaren Faktoren wie Emotionen, existenzielle Erwartungen und Enttäuschungen haben mitunter dramatische Folgen, wenn die in die Fusion gesteckten Hoffnungen nicht erfüllt werden. Dies gilt für Familienunternehmen vermutlich noch mehr als für Publikumsgesellschaften.

Denn gerade Familienunternehmen sind Orte, an denen sich innerhalb des Fusionsprozesses an sachlichen Ausgangspunkten emotionale Dynamiken entfachen, die die Erwartungen der Beteiligten formen. Sie können nur schwer wieder verlassen bzw. abgekühlt werden. Bestimmte Erwartungen lassen sich nicht mehr so leicht zurücknehmen, Enttäuschungen wiegen schwer. Diese Enttäuschungen und Erwartungsbrüche lassen sich zudem innerhalb des Familienunternehmens nicht immer von den wichtigen Prozessen und Strukturen isolieren und haben weitreichende Folgen auf den Fusionsprozess. Ein solcher Prozess kann sich in einer Weise weiterentwickeln, dass er von den Beteiligten nicht mehr kontrollierbar ist und zu einem Scheitern der Fusion führen kann.

In dem Projekt am Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) wurde das Geschehen in einem Fusionsprozess rekonstruiert. Ein besonderer Blick wurde dabei auf die emotionale Dynamik gerichtet, die sich aus der Fusion heraus ergeben kann. Das Ziel war es der wissenschaftlichen Analyse, die Erkenntnisse für künftige Fusionen nutzbar zu machen.

WIFU-Wissenschaftler Audris Muraitis stand in enger Kooperation mit einem Familienunternehmen in fünfter Generation. Ausgangspunkt war ein als gescheitert bezeichneter Fusionsprozess. Die Einflüsse der weichen Faktoren auf den Fusionsprozess wurden untersucht. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Orientierungshilfe für Familienunternehmen, die sich in Fusionsprozessen befinden.

Ansprechaprtner: Arist von Schlippe, Audris A. Muraitis

Stipendium zu vergeben!

 

Das WIFU vergibt ein Stipendium im Bereich Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien. Ausführliche Informationen finden sich hier.