Stories @ WIFU – Prof. Dr. Heiko Kleve lässt Studierende den Führungsalltag erproben

16. April 2021

Welches Seminar lehren Sie an der UW/H?

Wenn Form und Inhalt Hand in Hand gehen und auch der gesellschaftliche Rahmen passt – oder: das Seminar „Systemisches Führen und Entscheiden“.

Welche Änderungen in Form, Struktur oder Inhalt mussten Sie durch die Covid-19 Pandemie umsetzen?

Das Wintersemester 2020/21 stellte uns vor so große Herausforderungen, dass allen SeminarteilnehmerInnen und uns Dozierenden die VUKA-Welt ganz plastisch vor Augen geführt wurde. „VUKA“ ist ein Akronym, das unsere vernetzte, beschleunigte und nicht berechenbare Weltgesellschaft mit den Attributen Volatilität (Flüchtigkeit), Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (Doppel-/Mehrdeutigkeit) beschreibt.

Als unser Kurs im Oktober 2020 startete, waren wir vom recht lockeren Corona-Sommer verwöhnt und sehr optimistisch, dass wir unser Seminar zwar mit vielen Hygiene-Regeln, aber dennoch in Präsenz durchführen können. Plötzlich änderte sich alles. Die Infektionszahlen in Deutschland stiegen wieder. Die pandemische Lage und die politischen Reaktionen darauf nahmen Fahrt auf. Die Ereignisse überschlugen sich, die Situation war dynamisch. Was an einem Tag noch sicher und entschieden schien, und zwar das Vorhaben, die Lehrveranstaltungen in Präsenz durchzuführen, wurde am nächsten Tag infrage gestellt und in der darauffolgenden Woche gänzlich ad acta gelegt.

Welchen zentralen Fragestellungen wird in diesem Seminar nachgegangen?

In diesen ersten Wochen unseres Kurses konnten wir mit den Studierenden in Echtzeit erleben und reflektieren, was Komplexität angesichts von in ihren Entwicklungen nicht prognostizierbaren bio-psycho-sozialen Ereignissen heißt. Und eine Pandemie ist genau das: die Verklammerung hochdynamischer biologischer, psychischer und sozialer Systeme, die sich in ihren Wechselwirkungen äußerst überraschend verhalten können. Zugleich scheitert hier regelmäßig der menschliche Wille zu planen und zu gestalten.

So waren wir durch den gesellschaftlichen Rahmen dieses Wintersemesters mitten im Themenfeld unseres Kurses. Denn uns interessierte, wie – im Kontext einer dynamischen sich rasch wandelnden Gesellschaft – in Unternehmen und Organisationen so geführt und entschieden werden kann, dass dies den unterschiedlichen Stakeholdern, mithin den KundInnen, MitarbeiterInnen, EigentümerInnen sowie den sozialen und ökologischen Anspruchsgruppen gleichermaßen gerecht wird.

Was macht dieses Seminar so besonders?

Um dieses ehrgeizige Ziel des Kurses zu erreichen, ließen wir die Seminarinhalte und die Formen ihrer Vermittlung miteinander kongruieren. Das eine musste dem anderen entsprechen. Dies gelang uns auch (oder sogar besonders gut) im digitalen Corona-Semester. Hilfreich dabei war eine dreidimensionale Ausrichtung des Kurses: Wir nutzten eine Vielfalt von Innovationen aus dem breiten Spektrum des systemischen Arbeitens, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten etwa in Therapie, Beratung, Führung und Management bewährt haben, um erstens ganzheitliches Denken zu schulen, zweitens dafür passende emotionale Haltungen einzuüben und drittens methodisches Handwerkszeug für den Führungsalltag zu erproben.

Wie uns die Teilnehmenden vielfach zurückmeldeten, erzeugte dieser Ansatz einen großen Learning Impact, weil die Studierende alle vermittelten Ansätze in eigener projektorientierter Teamarbeit ausprobieren und jeweils in einem erstellten Video verarbeiten sowie vorführen mussten. Das i-Tüpfelchen des Kurses war schließlich der Besuch einer systemischen Organisationsberaterin, die mit einer Case Study veranschaulichte, dass all das, was wir im Seminar theoretisch reflektierten, emotional durchlebten und aktional umsetzten, in der Praxis tatsächlich in dieser Weise realisiert wird.


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