Stories @ WIFU – Prof. Dr. Marcel Hülsbeck und Prof. Dr. Thomas Clauß über die Verbindung von fachlichen Lösungen mit der Familiarität von Familienunternehmen 

7. Mai 2021

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich in ihren Seminaren an der UW/H? 

Strategien in Familienunternehmen.

 

Welchen zentralen Fragestellungen wird in diesem Seminar nachgegangen? 

Die Frage, was beim strategischen Management in Familienunternehmen anders sein soll, als in anderen Unternehmen stellen sich nicht nur unsere Studierenden, sondern auch die Unternehmer, die als Sparringspartner eine tragende Rolle in diesem Seminar übernehmen. Schließlich müssen sich doch alle Unternehmen den Marktgegebenheiten stellen und sich möglichst effizient an diesen Markt anpassen, um überleben zu können. Ganz im Sinne eines darwinistisch-ökonomischen Verdrängungswettbewerbs eines „survival of the fittest“. 

Die Erkenntnis, dass dies keinesfalls so sein muss, und es stattdessen gute Gründe gibt anzunehmen, dass Unternehmen nicht aufgrund ihrer Anpassung an die Umwelt überleben, sondern eben wegen ihrer Einzigartigkeit, ist für die Studierenden bereits eine erste kontraintuitive Erkenntnis. Widerspricht sie doch allzu oft der dominanten Lehrmeinung einer marktorientierten Unternehmensführung. Für die Praxispartner in diesem projektbasierten Seminar hingegen ist die Einzigartigkeit ihres Unternehmens wenig überraschend. Teilnehmende Unternehmer und deren leitende Mitarbeiter halten ihre Art der Entscheidungsfindung oft für die gängige und in allen Unternehmen übliche Art der Strategieentwicklung. Hier kommt das „Aha-Erlebnis“ eher daher, dass Studierende den Unternehmern den Spiegel vorhalten und sie eben mit der Einzigartigkeit ihrer strategischen Entscheidungen konfrontieren, die eben nicht (nur) auf Marktorientierung, sondern vor allem auf der Werteorientierung, Identifikation, emotionalen und sozialen Bindung, sowie der langfristigen Orientierung des jeweiligen Familienunternehmens beruhen. 

 

Was macht dieses Seminar so besonders? 

Dementsprechend ist das Besondere an diesem Seminar nicht unbedingt, dass Studierende als Beraterteams strategische Projekte in und für Familienunternehmen bearbeiten, sondern auch, dass in diesem co-kreativen Prozess eine besondere Form des Voneinander Lernens stattfindet. Die Studierenden erarbeiten sich neben der fachlichen Lösung ihrer Projekte ein feinstoffliches Gespür für die subtilen Elemente der Familiarität, welches jedes Familienunternehmen durchdringt, während die Unternehmer ihre vermeintliche Normalität hinterfragen lassen müssen. 

Uns als Dozierenden kommt in diesem Seminar eine doppelte Rolle zu. Unsere Aufgabe ist einerseits für die notwendige Evidenzbasierung eines Universitätsseminars zu sorgen, andererseits aber auch jenseits der orthodoxen Betriebswirtschaftslehre Denkanstöße zu geben, welche die o.g. besondere Art des Lernens ermöglicht. Indem wir als Dozierende jeweils die beiden Seiten der Familiarität und Marktorientierung in unserem Co-Teaching-Konzept aufgreifen und für die Seminarbeteiligten erlebbar machen, setzen wir eine Tradition fort, welche von Prof. Dr. Rudolf Wimmer und Prof. Dr. Arist von Schlippe als kongenialem Gespann aus Strategieberater und Familienpsychologe ins Leben gerufen wurde. Wer also nicht nur herausfinden möchte, wie und warum strategische Entscheidungen in Familienunternehmen zu deren besonderer Wettbewerbs- und Überlebensfähigkeit beitragen, sondern auch wer von den Dozierenden wann die Brille des Familienunternehmerverstehers oder rationalem Betriebswirt auf hat, ist herzlich eingeladen unser Seminar zu besuchen. 


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