Krisenbewältigung in Familienunternehmen

Eine empirische Bestandsaufnahme

 

Die vorliegende Studie geht der Frage nach, in welchem Ausmaß Familienunternehmen von der Wirtschaftskrise betroffen sind und welche spezifischen Bewältigungsmuster in dieser Krise zu beobachten sind. An der Befragung im Juni und Juli 2009 nahmen über 250 Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung und Branchenzugehörigkeit teil. Damit ist die Studie in der Lage, einen repräsentativen Überblick über den spezifischen Umgang von Familienunternehmen mit den Herausforderungen der wirtschaftlichen Entwicklung zu liefern.

Fast 75% der befragten Unternehmen hat einen zum Teil dramatischen Nachfrageeinbruch zu beklagen, vielfach noch begleitet durch einem erheblichen Verfall des Preisniveaus. Dies führt zu Umsatzrückgängen, die mit den üblichen Kostensenkungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden können. Die Krisenwahrnehmung entspricht jedoch in Summe nicht dieser Bedrohungslage. Dafür mag die durchschnittlich hohe Eigenkapitalquote der befragten Unternehmen verantwortlich sein.
Von einer allgemeinen Kreditklemme kann auf Basis der vorliegenden Studie keine Rede sein. Nur 14 Prozent haben einen außergewöhnlichen Finanzierungsbedarf und nur 21 Prozent erwarten aufgrund der aktuellen Wirtschaftsentwicklung akute Liquiditätsengpässe. Bestätigt wird allerdings, dass die Banken wesentlich risikoaverser agieren, deutlich höhere Sicherheiten verlangen und mit wenigen Ausnahmen die Finanzierungskosten massiv nach oben geschraubt haben.

Die befragten Familienunternehmen stützen sich zur Bewältigung der Krise auf die bewährten Stärken dieses Unternehmenstyps: hohe Eigenfinanzierungskraft, große Bereitschaft der Belegschaft, sich mit eigenen Opfern an der Bewältigung der Krise zu beteiligen, Intensivierung der Kunden- und Lieferantenbeziehungen sowie Rückendeckung durch die Familie und den Gesellschafterkreis. Die Studie zeigt allerdings auch die Bereitschaft der Unternehmen, wenn erforderlich, zu massiven Personalabbaumaßnahmen zu greifen. Diese Maßnahmen sind zu erwarten, wenn die Talsohle länger anhält und einschneidende Kapazitätsreduktionen erforderlich werden.

Die befragten Unternehmen sind durch die Bank mit den strategischen Herausforderungen in der Phase des Aufschwungs befasst. Sie beteiligen sich nach eigenen Aussagen proaktiv an den strategisch wichtigen Konsolidierungsprozessen, die sich in allen betroffenen Branchen in einem globalen Maßstab bereits in Gang befinden.
Ein weiteres Mal belegt die vorliegende Studie die ausschlaggebende Bedeutung der Familie und des Gesellschafterkreises für die Überlebensfähigkeit dieses Unternehmenstyps. Gerade in der Krise ist eine handlungsfähige Familie, die in sich nicht von ungelösten Konflikten gelähmt wird, eine entscheidende Ressource für das Unternehmen. Der überwiegende Teil der Unternehmen weist dafür eine funktionstüchtige Corporate Governance aus.

Die staatlichen Unterstützungsprogramme bewerten die Unternehmen als durchschnittlich hilfreich, wobei auffällig ist, dass diese Programme von jenen Unternehmen deutlich besser eingeschätzt werden, die sie in Anspruch nehmen als von jenen, die das nicht tun.

Ansprechparter: Tom A. Rüsen, Rudolf Wimmer

Die Studie finden Sie in unserem Downloadbereich.

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