Krisendynamiken und Krisenmanagement

Der Umgang mit unvorhersehbaren Wechseldynamiken

 

Thematische Einführung:

KrisenmanagementKrisen markieren den Wendepunkt unternehmerischer Entwicklungsprozesse. Sie gehörten zum Unternehmertum dazu wie der Erfolg. Jedes Unternehmen steht potentiell vor dem Risiko durch Dynamiken in Markt und Wettbewerb in seiner Existenz nachhaltig bedroht zu werden.In Familienunternehmen resultiert aus dem „Familien-Faktor“ bezüglich der Krisenbewältigung oftmals eine zusätzliche Bedrohung.

Sie bedingt die Unternehmenskrise, oftmals resultiert diese erst aus eskalierenden Konflikten in der Gesellschafterfamilie. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass es zur Krise im Unternehmen parallele und vergleichbare Krisenprozesse in der Eigentümerfamilie gibt. Die Dynamiken dieser beiden parallelen Krisenprozesse sind dabei jedoch nicht vorhersehbar bzw. sie verlaufen nicht notwendigerweise synchron.

Bei einer Krisenbewältigung in Familienunternehmen die mit dem Verbleib der Alt-Eigentümer vollzogen werden soll, ist die Berücksichtigung der parallel in der Unternehmerfamilie ablaufenden Krisendynamiken essentiell für den Erfolg. Vor diesem Hintergrund muss ein herbeigerufenen Restrukturierungs- oder Sanierungsteam einen erweiterten Ansatz zum Krisenmanagement in Betracht ziehen.

Das Wittener Modell zum Krisenmanagement:

Additiv zu den herkömmlichen Inhalten einer Krisenbewältigung sind die spezifischen Besonderheiten und Elemente des „Familien-Faktors“ zu analysieren. Wirken diese konstruktiv auf die Krisenbewältigung sind diese systematisch zu nutzen, wirken sie destruktiv, sind sie systematisch durch spezifische Maßnahmen im Rahmen der Sanierung auszugrenzen. Neben der Umstrukturierung und Neuausrichtung im Unternehmen, sind zudem geeignete Maßnahmen zur Organisation der Entscheidungsfähigkeit im Gesellschafterkreis, zur Festlegung einer Sanierungsstrategie innerhalb der Gesellschafterfamilie und notfalls zur konstruktiven Bewältigung der in diesen Situationen fast immer auftretenden Familienkonflikte einzuleiten.

Paralleles Krisenmanagement

Eine parallele „Krisenarbeit“ in der Familie des Familienunternehmens erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Bewältigung der Unternehmenskrise, es schafft zudem ein Fundament für die zukünftige Strategie- und Entscheidungsfähigkeit des Gesellschafterkreises. Oftmals markiert die hier geschaffene Basis einen Ausgangspunkt für eine nachhaltige Familienstrategie.

WIFU-Know-how zum Thema:

  • Ansprechpartner: Prof. Dr. Tom A. Rüsen
  • Projekte:
  • Weiterführende Literatur:
    • WIFU-Schriftenreihe: Konflikte und Krisen in Familienunternehmen
    • Bücher:
      – Rüsen, T. (2011): Familienunternehmen erfolgreich sanieren. Der Einfluss des Familienfaktors bei Restrukturierungen, Erich Schmidt Verlag, Berlin.
      – Rüsen, T. (2008): Krisen und Krisenmanagement in Familienunternehmen: Schwachstellen erkennen, Lösungen erarbeiten, Existenzbedrohung meistern, Gabler Verlag, Wiesbaden.
    • Artikel & Beiträge:
      – Rüsen, T. (2015): Restrukturierung von Familienunternehmen in Abhängigkeit Mentaler Modelle der Unternehmerfamilie. In: Hermanns, M. et al.: Restrukturierung & Sanierung – Veränderungsprozesse erfolgreich gestalten, Carl Heymanns Verlag, Köln, S. 3-21.
      – Rüsen, T. (2012): Krisenmanagement in Familienunternehmen unter Berücksichtigung des Familienfaktors. In: KSI – Krisen-, Sanierungs- und Insolvenzberatung, Vol. 8, S. 147-156.
      – Rüsen, T. (2011): Unternehmerfamilien ohne Familienunternehmen – Konsequenzen beim Verlust eines imaginären Familienmitgliedes. In: Schindler, H. et al.: Systemische Horizonte, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, S. 209-219.
      – Rüsen, T. (2009): Die Begleitung eines Familienunternehmens in der Krise: Besondere Anforderungen und Empfehlung für das Krisenmanagement. In: Sommerlatte, T. et al. (Hrsg.): Handbuch der Unternehmensberatung – Organisationen führen und entwickeln, Erich Schmidt Verlag, Berlin, S. 111.
      – Rüsen, T. (2008): Parallele Krisenprozesse – paralleles Krisenmanagement: Das Familienunternehmen unter existenziellem Druck. In: Schlippe, A.v. et al. (Hrsg.): Familienunternehmen verstehen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, S. 42-54.
      – Rüsen, T. (2007): Interim Management in Familienunternehmen – Besonderheiten und Erfolgsfaktoren bei Einsätzen familienfremder Manager auf Zeit. In: Groß, H.; Bohnert, R. (Hrsg.): Interim Management – Den Wandel erfolgreich gestalten – mit Managern auf Zeit, Vahlen Verlag, München, S. 160-186.
      – Rüsen, T.; Großmann, S. (2014): Ein Familienstrategieprozess als Konfliktlöser in Familienunternehmen? In: Konfliktdynamik, Vol. 3, Nr. 4, S. 332-339.
      – Rüsen, T., Schlippe, A. v. (2009): Krisen in Familienunternehmen und Unternehmensfamilien – Über parallele, interdependente Dynamiken in Familie und Unternehmen. In: Schlippe, A. v., Rüsen, T., Groth, T. (Hrsg.): Beiträge zur Theorie des Familienunternehmens, Josef Eul Verlag, Lohmar, S. 203-242.