WIFU Lehrstühle

ORGANISATION UND ENTWICKLUNG VON
UNTERNEHMERFAMILIEN


Schwerpunkt in Forschung und Lehre ist die Familienseite von Familienunternehmen, die Unternehmerfamilie.

Dabei handelt es sich um eine Familienform, die sozial- und wirtschaftswissenschaftlich bisher wenig erforscht ist. Unternehmerfamilien haben spezielle Herausforderungen zu bewältigen; beispielsweise müssen sie zugleich private/vertraute Familie und formal organisierte Unternehmerfamilie sein, die als äußerst relevanter Faktor des Unternehmens für dessen Entwicklung entscheidungsfähig zu sein hat. Das, was Familien in der Regel nicht realisieren müssen, ist in Unternehmerfamilien angesichts ihrer Verantwortung für Unternehmen unabdingbar: Sie müssen sich formal organisieren, Formen des Managements und der Strategieentwicklung erarbeiten und implementieren. Je größer Unternehmerfamilien werden, je mehr Mitglieder sie umfassen, desto wichtiger wird es, strategisch an der Gestaltung des wachsenden Familiennetzwerks zu arbeiten, um damit den unternehmensbezogenen familiären Zusammenhalt zu sichern.

In Unternehmerfamilien stellt sich – generationsbezogen immer wiederkehrend – die Frage nach passenden Nachfolgerinnen und Nachfolgern sowohl für die operative Tätigkeit im Familienunternehmen als auch für die sozial verantwortliche Übernahme der Eigentümer-/Gesellschafterrolle. Daher richten Kinder, Jugendliche und Eltern in Unternehmerfamilien spezielle Erwartungen aufeinander aus, die zudem von gesellschaftlichen Entwicklungen, der Individualisierung der Lebensverläufe und der Pluralisierung der Lebenswelten gerahmt werden. Somit stehen auch das Aufwachsen, die Erziehung (zur Nachfolge) und generell die Sozialisation in Unternehmerfamilien im Fokus von Forschung und Lehre.

Schließlich stellt sich immer wieder die Frage, wie Unternehmerfamilien, insbesondere ihre Mitglieder, in ihren anspruchsvollen familien- und unternehmensbezogenen Aufgaben und Herausforderungen (etwa bezüglich der Familienstrategieentwicklung, der Nachfolge oder bei Konflikten und Entscheidungssituationen) angemessen unterstützt, beraten und gecoacht werden können. Deshalb werden am Lehrstuhl innovative Beratungs- und Coaching-Konzepte (z.B. Systemische Aufstellungen in unterschiedlichen Formaten) erforscht und weiter entwickelt, die den speziellen Anforderungen von Unternehmerfamilien gerecht werden.

Alle mit den genannten Themen einhergehende Fragen werden im Rahmen des Lehrstuhls aus einer transdisziplinären Perspektive erforscht, in der insbesondere die soziologischen, sozialpsychologischen, sozialpädagogischen und wirtschaftswissenschaftlichen Dimensionen der Thematik verbunden werden.

LEHRVERANSTALTUNGEN


  • Forschungskolloquium
  • Gruppendynamische Trainingsgruppe
  • Praxisreflexionsmodul
  • Sozialpsychologie und Soziologie des Familienunternehmens und der Unternehmerfamilie
  • Systemische Aufstellungen als Praxis- und Forschungsmethode
  • Systemisches Coaching und Leadership Skills
  • Theorie der Unternehmerfamilie und des Familienunternehmens
  • Zur Theorie der Gruppendynamik

TEAM


Prof. Dr. Heiko Kleve
Inhaber WIFU-Stiftungslehrstuhl für Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien
Mahtab Delschad
Sekretariat WIFU-Stiftungslehrstühle für Corporate Entrepreneurship & Digitale Transformation, Führung & Dynamik, Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien sowie Recht der Familienunternehmen
Dr. Tobias Köllner
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am WIFU-Stiftungslehrstuhl für Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien
Kristin Beer, M.A.
Stipendiatin der WIFU-Stiftung

INHABER FORSCHUNGS- + LEHRBEREICH


KONTAKT

Prof. Dr. Heiko Kleve

Telefon: +49 2302 926 515
E-Mail: heiko.kleve@uni-wh.de

Heiko Kleve (geb. 1969) studierte – nach einer Ausbildung zum Facharbeiter für Datenverarbeitung – Sozialpädagogik an der Alice-Salomon-Hochschule und Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität. Er wurde 1998 an der Freien Universität Berlin im Fach Soziologie mit „summa cum laude“ promoviert. Von 1997 bis 2002 arbeitete er in der Beratung von Familien und in der Sozialpsychiatrie. 2002 übernahm er eine Professur an der Alice-Salomon-Hochschule. Von 2005 bis 2017 war er Professor für soziologische und sozialpsychologische Grundlagen an der Fachhochschule Potsdam. Dort leitete er von 2013 bis 2017 als Dekan den Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften, fungierte als Leiter des Studienganges Soziale Arbeit mit Familien sowie der Weiterbildungen Systemisches Case Management, Systemisches Coaching und Systemische Aufstellungen. Zudem ist er seit ca. 20 Jahren als Coach, Supervisor und Mediator tätig. Seit Juli 2017 leitet er den WIFU-Stiftungslehrstuhl für Organisation und Entwicklung von Unternehmerfamilien.

Professor Kleve besitzt Zusatzqualifikationen als Systemischer Berater (DGSF), Supervisor/Coach (DGSv), Systemischer/lehrender Supervisor (SG), Mediator und Case Manager (DGCC).

Arbeits-, Forschungs- und Interessenschwerpunkte

  • Soziologische Systemtheorie der Unternehmerfamilie und des Familienunternehmens
  • Family Governance/Familienstrategie
  • Reflexion von und Umgang mit Komplexität
  • Theorie und Praxis angewandter Sozialwissenschaften
  • Gruppendynamik
  • Systemische Aufstellung

PUBLIKATIONEN (AUSWAHL)


  • Kleve, H. (2018): Die Organisation des Familiennetzwerks. Management großer Unternehmerfamilien als Ermöglichung von Reziprozität – eine Theorieskizze. In: Zeitschrift für Familienunternehmen und Strategie (FuS), Heft 2/2018, S. 44-49.
  • Kleve, H. (2017): Das Tetralemma der Unternehmerfamilie. Skizze eines systemischen Forschungsprogramms. In: systeme, Heft 2/2017, S. 224-243.
  • Kleve, H. (2017): System Compliance in Unternehmerfamilien. Konfliktprävention durch Beachtung elementarer Systemregeln. In: Konfliktdynamik, Heft 4/2017, S. 294-300.
  • Kleve, H. & Köllner, T. (Hrsg.) (2019): Die Soziologie der Unternehmerfamilie. Grundlagen, Entwicklungen, Perspektiven. Springer VS: Wiesbaden (in Vorbereitung).
  • Wirth, J. & Kleve, H. (Hrsg.) (2012): Lexikon des Systemischen Arbeitens. Grundbegriffe der systemischen Praxis, Methodik und Theorie. Carl-Auer: Heidelberg.

Ausführliche Informationen finden Sie unter:

Google Scholar

AKTUELLE FORSCHUNGSPROJEKTE


  • Systemtheorie der Unternehmerfamilie
  • Soziologie der Unternehmerfamilie
  • Die „verdreifachte Familie“ – große Unternehmerfamilien als Familien, Organisationen und Netzwerke
  • Systemische Beratung, insbesondere Systemische Aufstellungen als Reflexions- und Unterstützungsmethode für Unternehmerfamilien
  • Familienunternehmen und Unternehmerfamilien in Japan – Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu deutschen Familienunternehmen

DISSERTATIONEN

  • Der besondere Beitrag von Familienunternehmen bei der Arbeitsmarktinklusion von Geflüchteten im Unterschied zu anderen Unternehmen.Gegenüberstellung in einer qualitativen Studie
  • Der Prozess der Entscheidungsfindung und Abstimmung von nicht-operativ tätigen Gesellschaftern deutscher Familienunternehmen
  • Risiko(-kultur)perspektive auf das Nachhaltigkeitsfeld. Ein systemtheoretischer Brückenschlag für innovatives Leadership und Management in KMU