SEELISCHE GESUNDHEIT
IN UNTERNEHMERFAMILIEN


SEELISCHE GESUNDHEIT IN UNTERNEHMERFAMILIEN


Familienmitglieder von Unternehmerfamilien sind der besonderen Herausforderung ausgesetzt, sich in den miteinander strukturell verkoppelten Systemen Familie und Unternehmen dynamisch bewegen zu können, indem sie eine Doppelidentität, die des Familien- und Unternehmensmitglieds, einnehmen. Aufgrund der engen Verbindung dieser beiden Sozialsysteme müssen die Akteure parallel auf ihre beiden „Persönlichkeiten“ zugreifen und sich flexibel entsprechend der unterschiedlichen Kommunikations- sowie Interaktionslogiken der zwei Systeme verhalten können. Diese Fähigkeit erfordert besondere psychische Fähigkeiten (synchrone Dissoziation) und stellt für Mitglieder einer Unternehmerfamilie eine fortlaufende Lebensaufgabe da.

Welche Wirkung hat diese Ko-evolution der beiden Systeme Familie und Unternehmen auf die familienbezogene sowie individuelle seelische Gesundheit von Mitgliedern einer Unternehmerfamilie? Lassen sich besondere Herausforderungen erkennen, die mit der engen Verbundenheit und der gegenseitigen Beeinflussung dieser beiden sozialen Kontexte einhergehen? Welche Vulnerabilitäten werden wirksam und bilden sich möglicherweise in psychischen Verhaltensauffälligkeiten ab?

Abgrenzend zu einer ausschließlich individuumsbezogenen Perspektive, hin zu einer systemischen Betrachtungsweise, soll in diesem Projekt der besondere Zusammenhang der beiden Sozialsysteme Unternehmen und Familie hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Mitgliedern einer Unternehmerfamilie systematisch erforscht werden. Im Rahmen einer quantitativ empirischen Untersuchung sollen dabei gesundheitsbezogene Daten zur Realisierung unterschiedlicher Schwerpunkte erfasst werden. Geplant sind
• eine Erhebung repräsentativer Daten zur seelischen Gesundheit bei dieser Familienform, inkl. psychischer Auffälligkeiten;
• die Erfassung allgemeiner Bedingungen einer gesunden Lebensführung, v.a. mit Blick auf die Unternehmerfamilie als einer Familienorganisation sowie einem prosozial zu stärkendem spezifischem sozialem Netzwerk;
• die Analyse der besonderen Herausforderungen und Stressoren in Unternehmerfamilien durch eine generationenübergreifende Verantwortungsübernahme für ein kollektives unternehmerisches Familienvermögen.

In Kooperation mit dem Lehrstuhl Klinische Psychologie & Psychotherapie III der Universität Witten/Herdecke ist dieses Projekt transdisziplinär ausgerichtet und vereint die Disziplinen der Klinischen Psychologie sowie der Soziologie und Sozialpsychologie mit Schwerpunkt auf Systemische Theorie sowie Therapie, Statistik und Betriebswirtschaftslehre. Perspektivisch ist eine Ausweitung der Forschungsstelle denkbar.

Mit diesem Projekt soll das Feld zur psychischen Gesundheit in Unternehmerfamilien für die Forschung geöffnet werden. Ein bisher gesellschaftlich eher verschwiegenes Thema wird damit enttabuisiert und somit Mitgliedern von Unternehmerfamilien schließlich ein Kontext geboten, in dem ein offener Austausch über psychische Belastungen und Krankheiten möglich sein kann.

Englischer Titel: Mental Health in Entrepreneurial Family (MAIN-ERA)

Laufzeit: ab 2022

Förderung: WIFU-Stiftung

Leitung: Prof. Dr. Heiko Kleve & Prof. Dr. Tom A. Rüsen zusammen mit Prof. Dr. Christina Hunger-Schoppe und Johanna Wichmann, M.Sc. (Klinische Psychologin & Doktorandin)

LITERATUR


Hörsting, A-K., & Rüsen, T. (2021). Psychische Störungen in Unternehmerfamilien. FuS, 5, 183-189.
Kleve, H. (2020). Die Unternehmerfamilie. Wie Wachstum, Sozialisation und Beratung gelingen. Carl-Auer Verlag.
Rüsen, T. (2021). Vom Schatten ins Licht – Tabus der Unternehmerfamilie. FuS, 4, 128-133.
Simon, F.B. (2007). Familienunternehmen als Risikofaktor. In: A. v. Schlippe, A. Nischak, M. El Hachimi (Hrsg.), Familienunternehmen verstehen…Gründer, Gesellschafter und Generationen. Vandenhoeck & Ruprecht.
Simon, F.B. (2011). Die Familie des Familienunternehmens. Ein System zwischen Gefühl und Geschäft. Carl-Auer Verlag.
Simon, F.B. (2012). Einführung in die Theorie des Familienunternehmens. Carl-Auer Verlag.

VIDEOS ZUM FORSCHUNGSPROJEKT


Interview mit Prof. Dr. Fritz B Simon

Teil 1

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Interview mit Prof. Dr. Fritz B Simon

Teil 2

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